Traditionsgeschäft Pallmann schließt nach 115 Jahren

Traditionsgeschäft Pallmann schließt nach 115 Jahren

Veröffentlicht am: 19. Januar 2026Kategorien: HVMITTE, Lokales, Mitglieder, Rheinland-Pfalz, Top News

Ende Mai 2026 endet eine Ära in der Kaiserslauterer Innenstadt: Das Haushaltswarengeschäft Pallmann macht nach über einem Jahrhundert seine Türen zu. Die Schließung des Traditionsgeschäfts Pallmann in der Marktstraße bedeutet einen herben Verlust für die Kaiserslauterer Innenstadt. Das Geschäft war ein absoluter Kundenmagnet – regional wie überregional.

115 Jahre Familientradition

Das Geschäft Pallmann wurde 1910 von Carl Pallmann zunächst als Eisenwarenhandlung gegründet. Über die Jahrzehnte spezialisierte sich das Unternehmen auf Porzellan, hochwertige Geschenke und Haushaltswaren. Matthias Pallmann-Heger, der das Geschäft in dritter Generation führt, übernahm die Verantwortung bereits mit 20 Jahren nach dem frühen Tod seines Vaters 1987. Fast 40 Jahre lang stand er sechs Tage die Woche im Laden in der Marktstraße mit Blick auf die Stiftskirche.

Die Entscheidung zur Schließung fiel im Familienrat: Seine drei Kinder wollen den Betrieb nicht fortführen. Wirtschaftliche Gründe spielten keine Rolle, die Umsätze sind stabil. Doch perspektivisch sieht Pallmann-Heger keine Zukunft mehr für Fachgeschäfte seiner Art. Das Gebäude wird zu Wohnungen umgebaut, Erdgeschoss und Untergeschoss sollen gewerblich vermietet werden. Der Räumungsverkauf beginnt am 19. Februar 2026.

Herausforderungen für den Innenstadthandel

Die Schließung von Pallmann zeigt die großen Herausforderungen, vor denen der innerstädtische Einzelhandel steht. Kunden kommen nur dann in die Stadt, wenn das Umfeld stimmt. Dies geht von der Erreichbarkeit, nicht nur ÖPNV sondern auch Parkplätze, über die Aufenthaltsqualität mit viel Grün, Spielmöglichkeiten für Kinder, bis zu Sicherheit und Sauberkeit, als wichtige Faktoren um Einkaufen in der Stadt wieder zu einem Ausflugserlebnis zu machen.

Auch die K-in-Lautern-Mall steht in der Kritik. Bereits nach zehn Jahren zeigt sich das Einkaufszentrum als Problemfall. Auf diese mögliche Entwicklung hatte der Handelsverband schon in der Planungsphase hingewiesen, und für eine kleinere Lösung gekämpft. Aber die damalige Stadtspitze wollte der Expertise des Verbandes keinen Glauben schenken. Nun sind neue Nutzungskonzepte notwendig, um die Mall zu beleben. Zudem verschärft die Konkurrenzsituation mit großen Einzelhandelsflächen außerhalb der Kernstadt die Lage für innerstädtische Geschäfte.

Innenstadtsterben auch andernorts

Das Pallmann-Aus reiht sich in einen besorgniserregenden Trend ein. Erst im vergangenen Jahr haben in Mainz große inhabergeführte Unternehmen wie Wirth und Listmann geschlossen, wegen einer Kombination aus fehlender Nachfolge, dem wachsenden Online-Handel, gestiegenen Kosten (Energie, Mieten) und veränderten Kaufgewohnheiten, verstärkt durch die Corona-Krise. Auch in Kaiserslautern schließt 2026 neben Pallmann ein weiteres inhabergeführtes Geschäft: die Firma GOSS am Rittersberg von Inhaber Axel Stähler.

Die Realität zeigt: Innenstädte sind nicht mehr so stark frequentiert wie früher. Während Kommunen versuchen, Umweltvorgaben durch die Reduzierung von Autos und Parkmöglichkeiten einzuhalten, leiden gleichzeitig die Einzelhändler unter der schlechteren Erreichbarkeit. Damit kommen Städte und Kommunen ihrer Versorgungsverpflichtung für die Bürger, auch aus dem Umland, nicht mehr nach.

Die Zukunft des innerstädtischen Handels liegt nun in den Händen aller Beteiligten: mit innovativen Konzepten, mehr Wertschätzung für inhabergeführte Geschäfte und gemeinsamen Anstrengungen kann die Kaiserslauterer Innenstadt auch weiterhin ein attraktiver Einkaufs- und Lebensraum bleiben.

(Text: Pressestelle Handelsverband Südwest/ks; Fotos: Pressestelle Handelsverband Südwest)

Die letzten Artikel

Zukunftsfähige Stadtentwicklung: Mainz überarbeitet Zentrenkonzept

11. April 2025|Top News|

Mainz. Im Rahmen eines runden Tisches „Zentrenkonzept“ wurde deutlich, dass Mainz eine Modernisierung des Zentrenkonzeptes anstrebt. Dies soll dazu dienen, um auf das veränderte Konsumverhalten, die Digitalisierung und Mobilitätsaspekte zu reagieren. Am runden Tisch hatte sich auch der Handelsverband Südwest beteiligt, und wird sich im weiteren Verfahren für eine lebenswerte Stadt mit starkem Handel und attraktiven Stadträumen einsetzen. „Die enge Zusammenarbeit zwischen lokalen Akteuren, Politik und Verbänden ist entscheidend, um tragfähige Lösungen für die Zukunft zu entwickeln.“, so Thomas Scherer, Hauptgeschäftsführer des Verbandes. Auch der Verein „Unser Mainz in Rheinhessen e.V.“, äußerte sich zuversichtlich. Der Vorsitzende Thomas A. Klann betont:

Begrenztes Fachmarktzentrum in Frankenthal: Handelsverband Südwest begrüßt Entscheidung der Aufsichtsbehörde

11. April 2025|Top News|

Frankenthal. Der Handelsverband Südwest zeigt sich zufrieden mit der Entscheidung der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, dem geplanten Fachmarktzentrum auf dem ehemaligen Real-Areal in Frankenthal-Studernheim klare Grenzen zu setzen. Der Verband sieht darin ein wichtiges Signal zum Schutz bestehender Handelsstrukturen und ein positives Beispiel für eine verantwortungsvolle Landesplanung. Wie die SGD Süd kürzlich mitteilte, ist auf dem Areal künftig eine Verkaufsfläche von maximal knapp 4.000 Quadratmetern zulässig – deutlich weniger als die ursprünglich von der Stüdemann Grundbesitz-Entwicklung GmbH geplanten rund 6.000 Quadratmeter. Damit folgt die Behörde den Zielen des Landesentwicklungsprogramms, das großflächige Einzelhandelsansiedlungen mit innenstadtrelevantem Sortiment auf integrierte, städtebaulich geeignete

HDE reicht Beschwerde beim Bundeskartellamt gegen Temu ein

11. April 2025|Top News|

HDE. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat beim Bundeskartellamt eine Beschwerde gegen die chinesische Plattform Temu wegen kartellrechtswidrigen Verhaltens eingereicht. Die Vorwürfe gründen darauf, dass Temu den Geschäftspartnern, die Waren über die Plattform verkaufen, die Preissetzungshoheit entzieht. Denn Temu legt nicht nur fest, dass die Preise der einzelnen Händler bei maximal 85 Prozent des Preises liegen dürfen, den die Händler für ein vergleichbares Produkt auf anderen Verkaufsplattformen verlangen. Vielmehr behält sich Temu gegenüber den Verkäufern zugleich auch vor, selbst über die Höhe der finalen Verkaufspreise zu entscheiden. Temu verstößt darüber hinaus in vielerlei Hinsicht gegen weitere europäische und nationale Verordnungen und

Nach oben