Polizeiliche Kriminalstatistik 2025: Ladendiebstahl weiterhin auf hohem Niveau
Die kürzlich veröffentlichte Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2025 bestätigt, was viele Händler in Rheinland-Pfalz und dem Saarland täglich erleben: Ladendiebstahl bleibt ein massives Problem und die offiziellen Zahlen zeigen nur die Spitze des Eisbergs.
Rückgang bei einfachen Diebstählen: kein Grund zur Entwarnung
Bundesweit wurden 2025 insgesamt 357.651 einfache Ladendiebstähle registriert, ein Rückgang von 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Doch dieser scheinbar positive Trend täuscht. Der Handelsverband Deutschland (HDE) schätzt, dass mehr als 90 Prozent aller Ladendiebstähle gar nicht erst zur Anzeige kommen. Viele Händler haben resigniert: Anzeigen werden in der Praxis selten weiterverfolgt, Strafverfahren häufig eingestellt. Der bürokratische Aufwand lohnt sich schlicht nicht mehr.
Der Handelsverband Südwest schließt sich der klaren Einschätzung des HDE an: „Der leichte Rückgang darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Einzelhandel jährlich ein Schaden von rund drei Milliarden Euro durch Diebstahl entsteht. Ladendiebstahl ist kein Kavaliersdelikt“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.
Schwerer Bandendiebstahl weiterhin auf hohem Niveau
Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei den schweren Ladendiebstählen. Mit 25.445 erfassten Fällen im Jahr 2025 verharrt dieser Bereich auf dem hohen Niveau der Vorjahre.
Hinter diesen Zahlen stecken oft hochprofessionelle Strukturen: Bandenmäßig organisierte Täter agieren überregional, arbeitsteilig und mit zunehmender Gewaltbereitschaft. Pro Tat werden typischerweise Waren im Wert von 1.000 bis 2.000 Euro gestohlen. Die Grenzen zwischen Ladendiebstahl und Raub sind dabei fließend geworden – eine Entwicklung, die den Handel unmittelbar bedroht.
Die Dunkelziffer: Das eigentliche Ausmaß
Dass die Aufklärungsquote statistisch bei knapp 90 Prozent liegt, klingt auf den ersten Blick beeindruckend. Doch dieser Wert ist trügerisch. Wie die PKS selbst einräumt, werden die erfassten Täter in der Regel vom Einzelhändler bereits überführt und der Polizei direkt übergeben. Ohne diese Eigenleistung der Händler würde die Aufklärungsquote drastisch sinken. Rechnet man die massive Dunkelziffer ein, liegt die tatsächliche Aufklärungsquote bei unter zehn Prozent aller vollendeten Taten.
Das EHI Retail Institut schätzt, dass jährlich rund 24,5 Millionen Diebstahlsdelikte im Einzelhandel unentdeckt bleiben oder nicht zur Anzeige gebracht werden. Allein durch Kundendiebstähle entstand 2024 ein Schaden von 2,82 Milliarden Euro. Hinzu kommen 1,55 Milliarden Euro, die der Handel jährlich in Prävention und Sicherungsmaßnahmen investiert. Das sind Kosten, die letztlich auf die Verbraucherpreise abgewälzt werden.
Staat muss Eigentumsrecht konsequent schützen
Die präventiven Möglichkeiten des Einzelhandels sind weitgehend ausgeschöpft. Was fehlt, ist ein entschlossenes Handeln von Justiz, Polizei und Politik. Zu oft werden Strafverfahren wegen angeblich fehlenden „öffentlichen Interesses“ nach §§ 153, 153a StPO eingestellt. Zu selten werden Mehrfach- und Wiederholungstäter konsequent verfolgt. Und zu häufig erscheint die Polizei trotz festgehaltenem Täter gar nicht erst am Tatort.
Diese Realität untergräbt nicht nur das Vertrauen der Händler in den Rechtsstaat, sie sendet auch ein fatales Signal an potenzielle Täter.
Konkrete Forderungen für wirksame Bekämpfung
Der Handelsverband Südwest unterstützt ausdrücklich die vom HDE in einem aktuellen Positionspapier formulierten Forderungen an den Gesetzgeber. Diese umfassen unter anderem die Anhebung der Mindeststrafe für schweren Bandendiebstahl nach § 244 StGB auf mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe, womit diese Delikte als Verbrechen einzustufen wären und eine Einstellung des Verfahrens aus Effizienzgründen ausgeschlossen würde. Ebenso wird gefordert, gewerbsmäßigen Diebstahl künftig als schweren Diebstahl zu werten, die Einstellungsmöglichkeiten der Staatsanwaltschaften nach §§ 153, 153a StPO deutlich einzuschränken sowie KI-gestützte Videoüberwachung in Einzelhandelsgeschäften datenschutzrechtlich klar zuzulassen, statt sie durch restriktive DSGVO-Auslegung faktisch zu erschweren. Darüber hinaus wird eine zentrale, bundesweite Datenbank für Ladendiebstahlsanzeigen gefordert, auf die alle Ermittlungsbehörden zugreifen können, um Mehrfach- und Serientäter frühzeitig zu identifizieren. Nicht zuletzt müssen Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichte personell und technisch deutlich besser ausgestattet werden.
Fazit: Eigentumsrecht braucht wirksamen Schutz
Der Staat darf das verfassungsrechtlich geschützte Eigentumsrecht nicht länger mit zweierlei Maß behandeln. Was bei Wohnungseinbrüchen selbstverständlich ist – konsequente Strafverfolgung, abschreckende Strafen – muss auch für den organisierten Ladendiebstahl gelten. Die Händler in Rheinland-Pfalz und dem Saarland brauchen keine Worthülsen, sondern spürbare Veränderungen. Die PKS 2025 ist ein weiterer Weckruf, der gehört werden muss.
Das vollständige Positionspapier des HDE mit detaillierten Forderungen zur Bekämpfung des Ladendiebstahls steht hier zum Download bereit.
(Quelle: Handelsverband Deutschland e. V. – HDE/hv/ks; Bild: AdobeStock_308370334)
Die letzten Artikel
Änderungen ab Januar 2026 – Mindestlohn und Minijob-Grenze steigen
Der Mindestlohn steigt 2026 auf 13,90 € pro Stunde wodurch die Minijob-Grenze dynamisch auf 603 € monatlich angehoben wird. Diese Erhöhung betrifft Millionen von Arbeitnehmern und bedeutet, dass Minijobber künftig mehr verdienen können, ohne ihren Status zu verlieren. Mindestlohn 2026 Neuer Satz: Steigt von 12,82 € auf 13,90 € brutto pro Stunde (ab 1. Januar 2026) 2027: Weiterer Anstieg auf 14,60 € pro Stunde geplant Minijob 2026 Monatliche Verdienstgrenze: Steigt von 556 € auf 603 €. Jahresverdienstgrenze: Steigt von 6.672 € auf 7.236 €. Minijobber erhalten den gesetzlichen Mindestlohn. Damit bei Mindestlohnerhöhungen weiterhin 10 Wochenstunden möglich sind, steigt die Minijobgrenze automatisch mit. Arbeitgeber
HDE unterzeichnet Memorandum of Understanding zur erfolgreichen Einführung der EUDI-Wallet
Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat das vom Digitalverband Bitkom zusammen mit dem Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung (BMDS) initiierte Memorandum of Understanding zur erfolgreichen Einführung der EU Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) mitunterzeichnet. Die Unterzeichner verpflichten sich zu enger Zusammenarbeit mit dem Ziel einer raschen Umsetzung und Nutzung der EU-weiten digitalen Identität. „Gerade der Handel kann mit seinen Millionen Kundenkontakten pro Tag einen wesentlichen Beitrag zur Akzeptanz und Nutzung der EUDI-Wallet bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern leisten. Daher ist die Branche hier von Anfang an dabei und bringt sich aktiv in den Umsetzungsprozess ein“, so Stephan Tromp, stellvertretender HDE-Hauptgeschäftsführer. Im Online-Handel
HDE-Konsumbarometer Dezember: Verbraucherstimmung fällt auf Jahrestief
HDE-Konsumbarometer. Die Hoffnung auf einen vorweihnachtlichen Stimmungsschub bleibt aus: Die Verbraucherstimmung in Deutschland sinkt im Dezember weiter und erreicht laut aktuellem HDE-Konsumbarometer den niedrigsten Stand seit Jahresbeginn. Damit endet 2025 aus Sicht des Konsums ähnlich schwach, wie es begonnen hat – ohne Impulse, die auf eine baldige wirtschaftliche Erholung schließen lassen. Kaufzurückhaltung nimmt weiter zu Die Verbraucher zeigen sich im Dezember erneut zurückhaltender. Der Trend geht stärker in Richtung Sparen, während die Anschaffungsneigung im Vergleich zum Vormonat noch einmal nachlässt. Für den Handel bedeutet dies wenig Rückenwind für das Weihnachtsgeschäft: Der HDE geht von eher mäßigen Umsätzen aus, da viele

