Tarifrunde Einzelhandel RLP: Arbeitgeber strecken den Arm aus – ver.di lehnt ab
Mainz, v.l.n.r.: Dr. Nelly Gerig, Dr. Thomas Scherer, Monika Di Silvestre, Stefan Prinz
In der zweiten Runde der Entgelttarifverhandlungen für den Einzelhandel in Rheinland-Pfalz haben die Arbeitgeber heute in Mainz ein konkretes Angebot vorgelegt. Die ver.di-Arbeitnehmerkommission wies es als unzureichend zurück.
Ein Angebot mit klarer Botschaft
Die Arbeitgeberseite bietet eine tabellenwirksame Entgeltsteigerung von insgesamt 3,5 Prozent in zwei Stufen an – bei einer Laufzeit von 24 Monaten: 2 Prozent ab dem 1. November 2026, weitere 1,5 Prozent ab dem 1. August 2027. Gleiches gilt für den Tarifvertrag Warenverräumung sowie für die Ausbildungsvergütungen, die entsprechend angepasst werden.
Verhandlungsführerin Dr. Nelly Gerig machte die Rahmenbedingungen deutlich: „Die Spielräume in dieser Tarifrunde sind denkbar eng. Das Angebot, das wir heute vorlegen, geht für viele Betriebe an die absolute Grenze des Verkraftbaren. Aber wir wollen eine Einigung, und mit diesem Ziel haben wir heute den Arm ausgestreckt.“
Branche in der Krise – Zahlen sprechen eine klare Sprache
Der Kontext, in dem dieses Angebot entstand, ist ernst: Seit 2022 sind bundesweit mehr als 60.000 Arbeitsplätze im Einzelhandel weggefallen. Die Konsumlaune befindet sich auf einem Tiefpunkt, Insolvenzen und Ladenschließungen erreichen Rekordstände. Gleichzeitig sind die Tariflöhne im Einzelhandel seit 2023 bereits um 14 Prozent gestiegen – bei einem Reallohngewinn von 2,7 Prozent. Steigende Sozialabgaben und geopolitische Unsicherheiten erhöhen den Druck auf die Unternehmen zusätzlich.
„Wer jetzt maximalen Druck macht, riskiert, dass am Ende weniger Beschäftigte übrig bleiben, für die er verhandelt“, so Dr. Gerig.
Nächste Runde am 22. Juni
Der Handelsverband Rheinland-Pfalz vertritt rund 12.000 Unternehmen mit insgesamt 150.000 Beschäftigten im Handel des Landes. Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Scherer begleitet die Verhandlungen als Mitglied der Arbeitgeberkommission. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 22. Juni 2026 statt.
(Text: Handelsverband Südwest e. V./hv/ks; Foto: Handelsverband Südwest e. V.)
Die letzten Artikel
HDE kritisiert Pläne für digitale Bonpflicht: „Wortbruch der Politik“
Der Handelsverband Deutschland (HDE) wehrt sich gegen die geplante Einführung einer verpflichtenden digitalen Bonpflicht ab 2028. Der Verband sieht darin eine Abkehr von Zusagen aus dem Koalitionsvertrag und warnt vor teuren Investitionen für Händler. Nach den aktuellen Plänen der Bundesregierung soll der klassische Papierbon zum 1. Januar 2028 wegfallen. An seine Stelle tritt eine verpflichtende elektronische Belegbereitstellung. Für den HDE ist das keine echte Entlastung. Im Koalitionsvertrag war die vollständige Abschaffung der Bonpflicht vereinbart worden, nicht deren Verlagerung auf ein digitales Format. HDE-Steuerexperte Ralph Brügelmann macht deutlich, dass die Belegpflicht damit faktisch bestehen bleibt, nur eben in anderer Form. Für Händler
13. IHK-Branchenforum Handel: Neue Konzepte für Innenstädte im Fokus
Koblenz. Über 250 Vertreter aus Handel, Gastronomie, Kommunen und Politik kamen beim 13. IHK-Branchenforum Handel in der Rhein-Mosel-Halle zusammen, um über die Zukunft der Innenstädte zu sprechen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Handel, Gastronomie, Kultur und Digitalisierung künftig zusammenwirken müssen. Einkaufsort allein reicht nicht mehr. Das machte das 13. IHK-Branchenforum Handel der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz deutlich, zu dem rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Handel, Gastronomie, Dienstleistungswirtschaft, Kommunen, Stadtmarketing, Politik und Verwaltung in die Rhein-Mosel-Halle kamen. Diskutiert wurde, welche Konzepte Innenstädte künftig als Treffpunkt, Erlebnisraum und Aufenthaltsort tragen können. Veränderte Konsumgewohnheiten und die fortschreitende Digitalisierung
Immer mehr Hitzetage: HDE fordert Kühlung für Innenstädte, Politik in RLP und Saarland zieht nach
In den letzten Wochen herrschten vielerorts in Deutschland Temperaturen von mehr als 30 Grad. Für den Einzelhandel ist das längst kein Randthema mehr, sondern eine ernstzunehmende Belastung an seinem wichtigsten Standort, der Innenstadt. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat deshalb konkrete Forderungen an Städte und Kommunen formuliert. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth mahnt, der Klimawandel nehme den Einzelhandel an seinem Standort Nummer eins zunehmend in den Schwitzkasten, viele Kunden mieden die Hitze. Seine Forderung an die Politik: mehr Bäume und Grünflächen in den Zentren offene Wasserflächen und Brunnen Sonnensegel nach südeuropäischem Vorbild öffentliche Trinkwasserspender ausreichende finanzielle Ausstattung der Kommunen für flächendeckende Maßnahmen Wie real

