Einzelhandel vor schwieriger Tarifrunde: Verband warnt vor Jobverlusten
Der Handelsverband Deutschland (HDE) schlägt vor der im April beginnenden Tarifrunde Alarm und warnt vor zu hohen Lohnforderungen der Gewerkschaften. Die Botschaft ist klar: Die Branche stößt an ihre Belastungsgrenzen.
Die aktuelle Situation
Mit 3,1 Millionen Beschäftigten steht eine der größten Tarifrunden Deutschlands bevor – und das in einer historisch angespannten Wirtschaftslage. „Die Rahmenbedingungen sind aktuell sehr schlecht“, erklärt HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke. Der Einzelhandel könne sich davon nicht abkoppeln.
Ein „Giftcocktail“ für die Branche
Besonders problematisch sei die Kombination aus:
- Steigenden Arbeitskosten durch Tarifabschlüsse
- Erdrückender Bürokratie und Regulierung
- Wachsenden Sozialversicherungsabgaben
Diese Faktoren zusammen gefährdeten massenhaft Arbeitsplätze im Einzelhandel, so Haarke.
Rückblick: Der letzte Tarifabschluss
Von 2023 bis 2025 erhielten die Beschäftigten bereits eine Gehaltserhöhung von insgesamt 14 Prozent – ein nachweislicher Reallohngewinn. „Damals haben wir hoch ins Regal gegriffen und das in extrem schwierigen Zeiten für die Branche“, betont Haarke. Diese Steigerungen seien für viele Arbeitgeber angesichts der aktuellen Lage kaum noch zu schultern.
Alarmierende Zahlen
Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache:
- 2,9 Millionen Arbeitslose in Deutschland (Dezember 2025)
- Über 60.000 sozialversicherungspflichtige Jobs im Einzelhandel seit 2022 verloren
- Erstmals wieder rückläufige Beschäftigungszahlen in der Branche
„Das dürfte leider noch nicht das Ende der Fahnenstange sein“, warnt Haarke.
Das Problem mit dem Mindestlohn
Ein besonderes Augenmerk legt der HDE auf den gesetzlichen Mindestlohn: „Die Steigerungen fressen sich immer tiefer in die Tarifwerke hinein“, erklärt Haarke. Dies werde zunehmend zu einer schweren Hypothek für die Tarifverträge aller Branchen.
Appell an die Gewerkschaften
Der HDE warnt eindringlich davor, durch zu hohe Forderungen eine Erwartungshaltung bei den Beschäftigten zu erzeugen, die dem Realitätscheck nicht standhalte. „Es besteht in diesem Jahr kaum noch Verteilungsspielraum, ansonsten drohen massenhaft Jobverluste“, so Haarke. Die Gewerkschaft sei nun in der Verantwortung, der Branche keinen irreversiblen Schaden zuzufügen.
Ein Lichtblick?
Positiv bewertet der HDE den Vorstoß von DGB-Chefin Yasmin Fahimi für ein „Bündnis für Arbeit und Innovation“ im Bundeskanzleramt. „Diese Initiative zeigt, dass die Gewerkschaften die Dramatik der Lage für den Wirtschaftsstandort Deutschland inzwischen auch erkannt haben“, erklärt Haarke. Der Handel stehe ausdrücklich zur Sozialpartnerschaft – aber die verfassungsrechtlich geschützte Tarifautonomie müsse wieder stärker in den Fokus rücken.
Die Tarifrunde beginnt im April 2026 und wird wegweisend für die Zukunft von 3,1 Millionen Beschäftigten im deutschen Einzelhandel.
(Text: Handelsverband Deutschland HDE e.V./hv/ks; Bild: AdobeStock_403418663 )
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