Traditionsgeschäft Pallmann schließt nach 115 Jahren
Ende Mai 2026 endet eine Ära in der Kaiserslauterer Innenstadt: Das Haushaltswarengeschäft Pallmann macht nach über einem Jahrhundert seine Türen zu. Die Schließung des Traditionsgeschäfts Pallmann in der Marktstraße bedeutet einen herben Verlust für die Kaiserslauterer Innenstadt. Das Geschäft war ein absoluter Kundenmagnet – regional wie überregional.
115 Jahre Familientradition
Das Geschäft Pallmann wurde 1910 von Carl Pallmann zunächst als Eisenwarenhandlung gegründet. Über die Jahrzehnte spezialisierte sich das Unternehmen auf Porzellan, hochwertige Geschenke und Haushaltswaren. Matthias Pallmann-Heger, der das Geschäft in dritter Generation führt, übernahm die Verantwortung bereits mit 20 Jahren nach dem frühen Tod seines Vaters 1987. Fast 40 Jahre lang stand er sechs Tage die Woche im Laden in der Marktstraße mit Blick auf die Stiftskirche.
Die Entscheidung zur Schließung fiel im Familienrat: Seine drei Kinder wollen den Betrieb nicht fortführen. Wirtschaftliche Gründe spielten keine Rolle, die Umsätze sind stabil. Doch perspektivisch sieht Pallmann-Heger keine Zukunft mehr für Fachgeschäfte seiner Art. Das Gebäude wird zu Wohnungen umgebaut, Erdgeschoss und Untergeschoss sollen gewerblich vermietet werden. Der Räumungsverkauf beginnt am 19. Februar 2026.
Herausforderungen für den Innenstadthandel
Die Schließung von Pallmann zeigt die großen Herausforderungen, vor denen der innerstädtische Einzelhandel steht. Kunden kommen nur dann in die Stadt, wenn das Umfeld stimmt. Dies geht von der Erreichbarkeit, nicht nur ÖPNV sondern auch Parkplätze, über die Aufenthaltsqualität mit viel Grün, Spielmöglichkeiten für Kinder, bis zu Sicherheit und Sauberkeit, als wichtige Faktoren um Einkaufen in der Stadt wieder zu einem Ausflugserlebnis zu machen.
Auch die K-in-Lautern-Mall steht in der Kritik. Bereits nach zehn Jahren zeigt sich das Einkaufszentrum als Problemfall. Auf diese mögliche Entwicklung hatte der Handelsverband schon in der Planungsphase hingewiesen, und für eine kleinere Lösung gekämpft. Aber die damalige Stadtspitze wollte der Expertise des Verbandes keinen Glauben schenken. Nun sind neue Nutzungskonzepte notwendig, um die Mall zu beleben. Zudem verschärft die Konkurrenzsituation mit großen Einzelhandelsflächen außerhalb der Kernstadt die Lage für innerstädtische Geschäfte.
Innenstadtsterben auch andernorts
Das Pallmann-Aus reiht sich in einen besorgniserregenden Trend ein. Erst im vergangenen Jahr haben in Mainz große inhabergeführte Unternehmen wie Wirth und Listmann geschlossen, wegen einer Kombination aus fehlender Nachfolge, dem wachsenden Online-Handel, gestiegenen Kosten (Energie, Mieten) und veränderten Kaufgewohnheiten, verstärkt durch die Corona-Krise. Auch in Kaiserslautern schließt 2026 neben Pallmann ein weiteres inhabergeführtes Geschäft: die Firma GOSS am Rittersberg von Inhaber Axel Stähler.
Die Realität zeigt: Innenstädte sind nicht mehr so stark frequentiert wie früher. Während Kommunen versuchen, Umweltvorgaben durch die Reduzierung von Autos und Parkmöglichkeiten einzuhalten, leiden gleichzeitig die Einzelhändler unter der schlechteren Erreichbarkeit. Damit kommen Städte und Kommunen ihrer Versorgungsverpflichtung für die Bürger, auch aus dem Umland, nicht mehr nach.
Die Zukunft des innerstädtischen Handels liegt nun in den Händen aller Beteiligten: mit innovativen Konzepten, mehr Wertschätzung für inhabergeführte Geschäfte und gemeinsamen Anstrengungen kann die Kaiserslauterer Innenstadt auch weiterhin ein attraktiver Einkaufs- und Lebensraum bleiben.
(Text: Pressestelle Handelsverband Südwest/ks; Fotos: Pressestelle Handelsverband Südwest)
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