Handelsdialog Rheinhessen in Mainz rückt neue Wege zum Kunden in den Fokus
Dr. Thomas Scherer, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Südwest, Karina Szwede, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Rheinhessen, und Staatssekretär Daniel Stich vom Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Energie und Klima beim Handelsdialog Rheinhessen in Mainz (v. l.)
Wann entscheidet sich eigentlich, ob jemand kauft? Um diese Frage drehte sich am 22. Oktober der Handelsdialog Rheinhessen in der IHK für Rheinhessen. Vom Handelsverband Südwest waren der Vorsitzende Jan Sebastian, Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Scherer und Digitalcoach Julia Brockmann mit dabei.
Auf der Leinwand im Großen Saal am Schillerplatz schwebt eine digitale Größentabelle über einem Kleiderständer. Daneben schaut eine junge Frau lächelnd auf ihr Smartphone. Sie steht mitten im Laden und holt sich ihre Beratung trotzdem aus dem Handy. Viel besser hätte man das Thema der Veranstaltung kaum ins Bild setzen können. Die IHK hatte ihren Handelsdialog unter das Motto „Der Point of Experience“ gestellt. Dahinter steckt eine Sorge, die viele Händler kennen. Wo erreiche ich meine Kunden noch, wenn die sich vorher schon ganz woanders umgeschaut haben?
Den Anfang machte Jan Sebastian, Vorsitzender des Handelsverbands Südwest und des IHK-Ausschusses für Handel, Stadt- und Regionalentwicklung. Als Ausschussvorsitzender eröffnete er den Abend gemeinsam mit IHK-Hauptgeschäftsführerin Karina Szwede. Danach kam Daniel Stich, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium, der für die Landesregierung ein Grußwort mitgebracht hatte.
Jan Sebastian begrüßt die Gäste im Großen Saal.
Wenn die KI einkaufen geht
Im ersten Impulsvortrag ging es gleich in die Tiefe. Prof. Dr. Nektarios Bakakis von der Hochschule Worms hatte sich KI-Einkaufsagenten vorgenommen. Das sind digitale Helfer, die für den Kunden Produkte suchen, Preise vergleichen und am Ende eine Empfehlung ausspucken. Der Kunde muss gar nicht mehr selbst suchen. Für Händler ist das eine ziemlich unbequeme Vorstellung. Wer von der KI nicht gefunden wird, taucht in deren Auswahl schlicht nicht auf.
Aidien Assefi von der Storywerft GmbH blieb beim Smartphone, schaute aber in eine andere Richtung. Sein Thema war Social Commerce, also das Verkaufen direkt dort, wo die Leute sowieso durch ihre Feeds scrollen. Für kleinere Geschäfte mit Gesicht und Geschichte steckt da einiges drin.
Vier Expertenrunden für die Fragen aus dem Ladenalltag
Nach den beiden Vorträgen wurde es persönlich. In vier Expertenrunden kamen die Teilnehmer direkt mit den Fachleuten ins Gespräch und konnten genau die Fragen stellen, die ihnen im eigenen Geschäft unter den Nägeln brennen.
- SEO und GEO, also die Frage, wie Geschäfte künftig überhaupt noch gefunden werden, mit Prof. Dr. Pascal Bruno, Hochschule Worms
- Visuelles Marketing im stationären Handel mit Julia Nawra, JUNI Visuelles Marketing
- Social Media als Verkaufskanal mit Daniel Sieben, Liebs.Co.
- Digitalisierung im Handel leicht gemacht mit Julia Brockmann, Digitalcoach Rheinland-Pfalz
Julia Brockmann beantwortet in ihrer Expertenrunde die Fragen der Teilnehmer zur Digitalisierung im Handelsalltag.
Bei Julia Brockmann landete das Thema, bei dem viele Inhaber erstmal tief durchatmen. Digitalisierung klingt nach Großprojekt, nach Budget und nach Zeit, die im Ladenalltag sowieso keiner hat. Der Titel ihrer Expertenrunde versprach, dass es auch eine Nummer kleiner geht. Genau dafür ist so ein Abend perfekt geeignet. Man stellt seine Frage, bekommt eine Antwort von jemandem, der sich auskennt, und geht mit einer Idee nach Hause, die zum eigenen Laden passt.
Beim Networking am Ende wurde noch eine ganze Weile weitergefachsimpelt. Mittendrin war auch Dr. Thomas Scherer, der mit Händlern aus der Region ins Gespräch kam. Die IHK hatte den Handelsdialog im vergangenen Jahr als neues Format gestartet, 2026 ging er in die zweite Runde. Der Gesprächsstoff dürfte so schnell nicht ausgehen. Wie gut die KI-Agenten bis zum nächsten Mal einkaufen können und wie viele Läden bis dahin auf Instagram verkaufen, weiß heute noch keiner. Der Handelsverband Südwest bleibt jedenfalls dran.
(Text: hv/ks; Quelle: IHK für Rheinhessen; Bilder: Handelsverband Südwest)
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