Einzelhandel vor schwieriger Tarifrunde: Verband warnt vor Jobverlusten

Einzelhandel vor schwieriger Tarifrunde: Verband warnt vor Jobverlusten

Veröffentlicht am: 26. Januar 2026Kategorien: FDF, HVMITTE, HVSUEW, Rheinland-Pfalz, Top News

Der Handelsverband Deutschland (HDE) schlägt vor der im April beginnenden Tarifrunde Alarm und warnt vor zu hohen Lohnforderungen der Gewerkschaften. Die Botschaft ist klar: Die Branche stößt an ihre Belastungsgrenzen.

Die aktuelle Situation

Mit 3,1 Millionen Beschäftigten steht eine der größten Tarifrunden Deutschlands bevor – und das in einer historisch angespannten Wirtschaftslage. „Die Rahmenbedingungen sind aktuell sehr schlecht“, erklärt HDE-Tarifgeschäftsführer Steven Haarke. Der Einzelhandel könne sich davon nicht abkoppeln.

Ein „Giftcocktail“ für die Branche

Besonders problematisch sei die Kombination aus:

  • Steigenden Arbeitskosten durch Tarifabschlüsse
  • Erdrückender Bürokratie und Regulierung
  • Wachsenden Sozialversicherungsabgaben

Diese Faktoren zusammen gefährdeten massenhaft Arbeitsplätze im Einzelhandel, so Haarke.

Rückblick: Der letzte Tarifabschluss

Von 2023 bis 2025 erhielten die Beschäftigten bereits eine Gehaltserhöhung von insgesamt 14 Prozent – ein nachweislicher Reallohngewinn. „Damals haben wir hoch ins Regal gegriffen und das in extrem schwierigen Zeiten für die Branche“, betont Haarke. Diese Steigerungen seien für viele Arbeitgeber angesichts der aktuellen Lage kaum noch zu schultern.

Alarmierende Zahlen

Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache:

  • 2,9 Millionen Arbeitslose in Deutschland (Dezember 2025)
  • Über 60.000 sozialversicherungspflichtige Jobs im Einzelhandel seit 2022 verloren
  • Erstmals wieder rückläufige Beschäftigungszahlen in der Branche

„Das dürfte leider noch nicht das Ende der Fahnenstange sein“, warnt Haarke.

Das Problem mit dem Mindestlohn

Ein besonderes Augenmerk legt der HDE auf den gesetzlichen Mindestlohn: „Die Steigerungen fressen sich immer tiefer in die Tarifwerke hinein“, erklärt Haarke. Dies werde zunehmend zu einer schweren Hypothek für die Tarifverträge aller Branchen.

Appell an die Gewerkschaften

Der HDE warnt eindringlich davor, durch zu hohe Forderungen eine Erwartungshaltung bei den Beschäftigten zu erzeugen, die dem Realitätscheck nicht standhalte. „Es besteht in diesem Jahr kaum noch Verteilungsspielraum, ansonsten drohen massenhaft Jobverluste“, so Haarke. Die Gewerkschaft sei nun in der Verantwortung, der Branche keinen irreversiblen Schaden zuzufügen.

Ein Lichtblick?

Positiv bewertet der HDE den Vorstoß von DGB-Chefin Yasmin Fahimi für ein „Bündnis für Arbeit und Innovation“ im Bundeskanzleramt. „Diese Initiative zeigt, dass die Gewerkschaften die Dramatik der Lage für den Wirtschaftsstandort Deutschland inzwischen auch erkannt haben“, erklärt Haarke. Der Handel stehe ausdrücklich zur Sozialpartnerschaft – aber die verfassungsrechtlich geschützte Tarifautonomie müsse wieder stärker in den Fokus rücken.

Die Tarifrunde beginnt im April 2026 und wird wegweisend für die Zukunft von 3,1 Millionen Beschäftigten im deutschen Einzelhandel.

(Text: Handelsverband Deutschland HDE e.V./hv/ks; Bild: AdobeStock_403418663 )

Die letzten Artikel

Mayen will Innenstadt mit privatem Engagement stärken – Land fördert neues BID-Projekt

20. Januar 2026|Rheinland-Pfalz, Top News|

Leerstände, veränderte Einkaufsgewohnheiten und mangelnde Aufenthaltsqualität – viele Innenstädte kämpfen mit diesen Problemen. Ein Instrument, das bundesweit zunehmend Erfolge zeigt, sind Business Improvement Districts (BIDs). Dabei schließen sich Immobilieneigentümer und Gewerbetreibende in einem Quartier zusammen und finanzieren gemeinsame Maßnahmen über eine Abgabe. Anders als bei freiwilligen Initiativen zahlen alle Eigentümer im BID-Gebiet – das schafft Planungssicherheit für langfristige Projekte. Nach Koblenz und Diez bereitet nun auch Mayen die Einrichtung eines BID vor. Wirtschaftsstaatssekretärin Petra Dick-Walther übergab der Stadt kürzlich 15.000 Euro Anschubfinanzierung für Projektplanung und Marketing. Später können weitere 150.000 Euro für einen BID-Manager über maximal fünf Jahre beantragt werden.

Nach oben